Die neue Wasserstoffleitung kommt: Warum das Emsland nicht nur Durchgangsort bleibt, sondern die Energie für seine Betriebe direkt vor Ort anzapft.
Emsland nimmt durch Anschluss an Wasserstoffnetz Vorreiterrolle ein

Abzweig in die Zukunft

Während Deutschland noch über die Energie der Zukunft diskutiert, werden im Emsland bereits die Weichen gestellt. Mit 13 strategischen Anschlusspunkten an das neue Wasserstoff-Kernnetz sichert sich der Landkreis eine Vorreiterrolle. Doch was bedeutet dieser „Lückenschluss“ konkret?

Der Lückenschluss der A 31 und der rasante Ausbau des Breitbandnetzes sind zwei Beispiele für die pragmatische emsländische Art, Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Getreu dieser Philosophie wurde 2026 ein weiteres Kapitel in der Energieinfrastruktur aufgeschlagen: Der Landkreis sichert sich den direkten Zugang zum bundesweiten Wasserstoffkernnetz. Mit der Unterzeichnung eines neuen Infrastrukturvertrags stellt die Region die Weichen für die industrielle Zukunft nach dem fossilen Zeitalter. Landrat Marc-André Burgdorf und Detlef Brüggemeyer von der Geschäftsführung des Gasnetzbetreibers Open Grid Europe GmbH (OGE) haben die regionale Anbindung an die geplante Wasserstofftransportleitung „Nordsee-Ruhr-Link III“ vertraglich besiegelt.

Das Besondere an dem Vorhaben: Das Emsland wird nicht einfach nur von einer Pipeline durchquert, sondern sichert sich den direkten Zugriff auf den Energieträger. Dieser Vertrag hat für die Region eine historische Tragweite, denn damit wird das Emsland ein aktiver Teil der zukünftigen bundesweiten Infrastruktur.

Warum der direkte Netzzugang über Wohlstand entscheidet

Die technische Basis steht: Kern des Vertrages sind 13 sogenannte Anbindungsvorbereitungen, in der Fachsprache T-Stücke genannt. Die Kommunen und die regionale Wirtschaft haben in enger Zusammenarbeit die Anschlussstellen festgelegt, über die künftig die Hauptleitung im Kreisgebiet „angezapft“ werden kann. Sie sind die Garantie dafür, dass der Wasserstoff direkt zu den Unternehmen und in die Kommunen vor Ort gelangt. Die Leitung verläuft über eine Gesamtlänge von rund 122 Kilometern von Bunde bis nach Wettringen. Der Baubeginn ist für das Ende des dritten Quartals 2026 angesetzt, ab 2027 soll der erste grüne Wasserstoff fließen.

Der direkte Zugang zum Kernnetz bietet ansässigen Betrieben und potenziellen Investoren eine verlässliche Planungssicherheit. Durch die frühzeitige Installation der T-Stücke werden nachträgliche, kostenintensive Baumaßnahmen vermieden. Das senkt langfristig die Transportkosten und sichert qualifizierte Arbeitsplätze in der Region.

Zukunftstechnologie vor der Haustür – Wasserstoff als Basis für die energetische Transformation

Wasserstoff gilt für energieintensive Branchen als das Rückgrat der klimaneutralen Industrie. Ob in der Chemie, der Logistik oder der Produktion – überall dort, wo Strom allein nicht ausreicht, bietet Wasserstoff eine saubere Alternative. Dass das Emsland in Sachen Energie „vorne weg“ marschiert, ist kein Zufall, sondern steht in der Tradition, das Emsland Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Seit 2020 initiiert und begleitet die vom Landkreis Emsland und der Stadt Lingen getragene H2-Region Emsland als zentrale Anlaufstelle zahlreiche Projekte, Unternehmensvorhaben und Veranstaltungen zur Förderung der Wasserstoffwirtschaft in der Region. Deshalb wurde das Emsland 2024 sogar als „EU Hydrogen Valley“ ausgezeichnet.

Für die junge Generation, die gerade in die Karriereplanung einsteigt, bleibt das Emsland damit ein moderner, innovativer Lebens- und Arbeitsraum, der die Herausforderungen des Klimawandels proaktiv als wirtschaftliche Chance nutzt. „Dieses Vorhaben ist ein Versprechen in die Zukunft. Wenn Wasserstoff so wichtig wird, wie alle Experten betonen – dann wollen wir vorne dabei sein und über Rahmenbedingungen verfügen, damit Wertschöpfung sofort und bestmöglich in unserem Landkreis stattfindet“, unterstreicht Landrag Marc-Anrdré Burgdorf. Die enge Zusammenarbeit zwischen der Kreisverwaltung, der regionalen Wirtschaft und OGE findet weit über die Grenzen des Landkreises hinaus Beachtung.