Mediensucht und psychische Gesundheit: Die Risiken für Jugendliche steigen. Wie das Emsland mit einem prämierten Konzept aktiv gegensteuert.
Präventionsarbeit für Kinder und Jugendliche

Schutzschild für die Jugend

Rausch, psychische Gesundheit, Medien, Sucht: Die Risiken, mit denen Kinder und Jugendliche konfrontiert sind, sind nicht nur vielfältig, sie verändern sich auch fortlaufend. Das Emsland bildet da keine Ausnahme und deswegen steuert der Landkreis früh aktiv gegen – und wurde dafür ausgezeichnet.

„Es war eine Freude, Ihren Antrag lesen zu dürfen!“ – mit diesem Lob kürte eine Expertenjury der Stüllenberg-Stiftung und des Landespräventionsrates das Emsland. Den mit 5.000 Euro dotierten Preis erhielt das Emsland im Jahr 2025 als einziger Landkreis. Die Begründung der Jury unterstreicht die Qualität: Das Emsland setze einen „Maßstab für gelungene und wirksame kommunale Prävention“.

Für Landrat Marc-André Burgdorf ist dieser Erfolg das Ergebnis einer über 15-jährigen, konsequenten Gesamtstrategie : „Das Jugendschutzgesetz einzuhalten ist eine Pflicht und selbstverständlich, aber das sichere Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen ist dadurch allein längst nicht gewährleistet.“ Selbst im ländlichen Raum, der durch ein lebendiges Vereinsleben und großen gesellschaftlichen Zusammenhalt geprägt ist, sei eine aktive, vorausschauende Prävention unverzichtbar.

Das Rückgrat dieser Arbeit bildet das Programm „Communities That Care“ (CTC), das im Emsland bereits 2009 als eines von nur drei Modellprojekten in Niedersachsen eingeführt wurde und heute das Fundament des Jugendschutes zwischen Papenburg und Salzbergen bildet.

Datenbasiert statt „aus dem Bauch heraus“

Prävention wird im Emsland systematisch und professionell gesteuert. „Neu war bei CTC, dass wir erstmals nicht nur die Probleme anhand der Kriminalitätsstatistik gemessen haben, sondern der Erfolg der Präventionsmaßnahmen insgesamt bewertet wird“, erklärt Erster Kreisrat Martin Gerenkamp.

Die Basis dafür sind umfassende Befragungen, die alle fünf Jahre unter den Schülern der Region durchgeführt werden. Auf diese Weise lassen sich Schutz- und Problemfaktoren exakt ermitteln. „Unser großes Ziel ist es, die Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen frühzeitig zu stärken sowie Schutzfaktoren wie soziale Kompetenzen und positive Peer-Gruppen gezielt zu fördern“, ergänzt Helga Block, Leiterin des Fachbereiches Jugend.

Ein starkes Netzwerk, das trägt

Dass der Landkreis in vielen Bereichen als Vorzeigeregion gilt, liegt vor allem an der sprichwörtlichen emsländischen Macher-Mentalität und dem engen Zusammenhalt. Die Koordination der Prävention liegt zwar beim Landkreis, die Umsetzung geschieht jedoch im engen Verbund mit den lokalen Kommunen, Schulen, Kitas, Kirchen und der Polizei.

„Das Emsland ist dann doch ein Dorf – in der Prävention begegnet man sich immer wieder“, schmunzelt Kreisjugendpfleger und CTC-Hauptkoordinator Ulrich Engling. Durch diese gewachsenen, verlässlichen Strukturen greifen die Rädchen perfekt ineinander. So setzt beispielsweise die Polizeiinspektion eigenständig starke Schwerpunkte in der Medien-, Verkehrs- und Mobbingprävention direkt vor Ort in den Einrichtungen.

Inzwischen arbeiten bereits acht emsländische Kommunen fest nach dem CTC-Konzept, darunter Papenburg, Haren, Haselünne sowie die Samtgemeinden Werlte, Sögel, Lengerich, Freren und Spelle. Daraus entstehen konkrete Projekte, die unmittelbar bei den Jugendlichen ankommen – wie das bewährte Projekt „KomA“ (Kontrollierter Umgang mit Alkohol) oder gezielte, aufklärende Jugendschutzkontrollen.

Neue Herausforderungen fest im Blick

Die Themen im Jugendschutz wandeln sich kontinuierlich. Standen früher oft klassische Suchtstoffe im Vordergrund, sind die Aufgaben heute deutlich komplexer. „Heute stehen psychische Gesundheit, Medienkompetenz und zunehmend auch Radikalisierung sowie das Demokratieverständnis im Fokus“, berichtet Engling aus der täglichen Praxis.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist hierbei die intensive Einbindung der Familien. Online-Elternabende zu hochaktuellen Themen wie Mediensucht oder Hatespeech ziehen regelmäßig bis zu 300 Teilnehmer pro Abend an und bieten maßgeschneiderte Unterstützung im Alltag.

Das gewonnene Preisgeld von 5.000 Euro fließt nun direkt wieder in zusätzliche, zukunftweisende Präventionsprojekte. Für den Landkreis ist die Auszeichnung ein klarer Ansporn, das sichere und gesunde Umfeld in der Region weiter auszubauen. Das Emsland bleibt damit das, was es für so viele Familien ist: ein sicherer Hafen für die nächste Generation.

Hinweis: Diese Aussagen dienen lediglich Informationszwecken. Für medizinische Beratung oder eine Diagnose solltest du dich an eine medizinische Fachkraft wenden.